Die geschichtliche Situation um 1480
Unser Versuch, das Alltagsleben des ausgehenden Mittelalters darzustellen, stellt eine große Herausforderung an die Recherche und Umsetzung dar. Gerade die Zeit um 1480 ist eine Zeit der Veränderung, sowohl modischer als auch gesellschaftlicher Art.
Nach dem Untergang des Herzogtums Burgund im Jahre 1477 und seines Verschwindens von der europäischen Landkarte verlagert sich die wirtschaftliche Macht und modische Veränderung wieder zusehends in den französischen und italienischen Raum, der auch im 13. Jahrhundert stark unseren deutschsprachigen Bereich beeinflußte.
Verstärkt wird diese Entwicklung durch den 1453 beendeten englisch-französischen Krieg, der über mehr als hundert Jahre die französische Dominanz behinderte. England befindet sich in den letzten Wirren der Rosenkriege, einer dynastischen Auseinandersetzung zwischen den Häusern York und Lancaster, beides Zweige des Königshauses Plantagenet. Damit einhergehend ist ein wirtschaftlicher und politischer Niedergang Englands und ein Aufstieg und eine Zentralisierung Frankreichs. Das Heilige Römische Reich ist in viele kleine Einzelstaaten zersplittert, die eine wirtschaftliche und militärische Entwicklung und Expansion behindern.
Das Reich wird durch die habsburgischen Kaiser regiert, die jedoch in weiten Teilen des Reichs nur eine geringe Macht ausüben. Die norditalienischen Stadtstaaten, allen voran Florenz, Venedig und Mailand erleben eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte, die ein neues Zeitalter einläuten, in dem man sich der alten, römischen und griechischen Kunst, Architektur und einzelner Wissenschaftsbereiche erinnert: die Renaissance.
An dieser Schwelle zur „Neuzeit“, dem Loslösen von Gefüge und Ordnung des Mittelalters, stellen viele neue Fragen die Menschen vor Herausforderungen in ihrem Leben. Kirchlicher Einfluss schwindet, reiche Städte lehnen sich vermehrt und erfolgreich gegen adelige Herrscher auf, die Bedrohung Europas durch die Türken und eine Blockade alter Handelswege nach Asien, zwingen seefahrende Nationen zu Entdeckungsreisen, die bereits in wenigen Jahren schließlich zur Entdeckung eines neuen Kontinents führen werden.